behindert – Note ungenügend!
Bild: cameraobscura/PIXELIO.de
Heute möchte ich über ein Thema schreiben, dass wohl viele körperbehinderte Menschen beschäftigt. Es geht um Partnerschaft, bzw. über die durch eine Behinderung verursachten Probleme.
In den meisten Fällen sieht die Realität gar nicht so rosig aus. Während sich hübsche, gut aussehende, gesunde Jungs und Mädels Hand in Hand den romantischen Sonnenuntergang ansehen, weinen sich Menschen mit Behinderungen in den Schlaf hinein. Unheimlich fest wünschen sie sich einen Lebenspartner, der sie liebt und ernst nimmt, doch allzu oft geht dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Ein unvorstellbares Leid mit vielen Tränen ist die Folge. Man hat noch nie einen anderen Menschen auf die eine spezielle Weise geküsst, während es für viele Freunde selbstverständlich ist, mit einem Lebenspartner Hand in Hand durch die Welt zu gehen. Worte wie “Ach, eines Tages wirst du garantiert deinen Traumprinzen / Traumprinzessin finden!” hört man oft. “Ooooo, eine Runde Mitleid für …” ist dabei oft die eigentliche Aussage solcher Trostworte. Nicht falsch verstehen, die Mitleid kann in vielen Fällen durchaus ehrlich gemeint sein.
Wieso ist das alles so? …nur weil man wegen einer Behinderung, für die man ja nichts kann, vielleicht nicht so schön aussieht, nicht so viel bietet, nicht so viel unternehmen kann? In Vielen Fällen lautet die ernüchternde Antwort: Genau so ist es. Allzu oft hört man, dass eigentlich die Inneren Werte die größere Rolle spielen, doch in sehr vielen Fällen entspricht diese These nicht der Realität. Es wird oft übersehen, dass ein behinderter Mensch genau so wertvoll ist und genau so viel Liebe und Geborgenheit, wie ein nichtbehinderter Mensch braucht. …vielleicht sogar etwas mehr.
Ich möchte hier auf einige Aspekte der Problematik eingehen.
Erstens: Berührungsängste gegenüber behinderten Menschen spielen oft eine gewichtige Rolle. Für viele ist es ein seltsames Gefühl, oder sogar auf eine gewisse Weise abstoßend, eine behinderte Person zu umarmen oder zu küssen. Solche Berührungsängste treten in unserer Gesellschaft recht oft auf und äußern sich auf vielerlei Weisen. Das Spektrum ist breit. Beispielsweise kann es bereits beim Hand-schütteln beginnen. Dies kann sich auf viele verschiedene Weisen äußern.
Zweitens: Die Freundin / der Freund ist auf eine gewisse Weise ein Vorzeigeobjekt. Man zeigt gerne, was man erobert hat. Je schöner die Freundin / je schöner der Freund, desto mehr Respekt wird einem entgegengebracht. …desto cooler ist man.
Ich will damit nicht sagen, dass behindert gleichzusetzen mit hässlich ist. Doch behinderte Menschen sind ungewollt „irgendwie anders“.
Machen wir doch mal einen kleinen Test! Ich gehe mit dir über einen Schulhof, eine Uni etc. und sage dir nur anhand von Aussehen, wer einen Partner hat – und wer nicht. Ich bin überzeugt, meine Trefferquote würde mindestens bei 80 % liegen!
Drittens: Eine Partnerschaft mit einer behinderten Person erweckt meistens gewisse Ängste. Wie wird das Zusammenleben klappen? Werde ich es schaffen, für meinen Lebenspartner zu sorgen? …und was ist mit Sexualität? Doch schon die gemeinsame Freizeitgestaltung steht in Schatten einiger Schwierigkeiten. Was kann ich mit ihm/ihr schon unternehmen? …Radfahren: schwierig! Gemeinsam joggen: schwierig! usw… … Die Liste könnte endlos fortgeführt werden. Aus diesem Grund können sich viele eine Beziehung mit einer behinderten Person erst gar nicht vorstellen.
Viertens: Jetzt mal ehrlich! Wer wünscht sich schon einen behinderten Lebenspartner? Es sind Wenige. Die Meisten wünschen sich einen vitalen, gesunden, sportlichen, schönen und humorvollen Freund / Freundin. Viele behinderte Menschen können diese Kriterien nicht erfüllen. Man fällt durch – wie bei einem Einstellungstest.
Fünftens: Viele Menschen mit Behinderungen werden von Schüchternheit und mangelnden Selbstbewusstsein geplagt. Gegenteil davon, was mehr oder weniger unbewusst erwartet wird: Offenes, selbstbewusstes und humorvolles Auftreten!
Bitte nicht falsch verstehen: Ich will mit diesem Beitrag überhaupt nicht sagen, dass es keine behinderten Menschen gibt, die in einer wunderbaren Ehe leben. …doch leider sind es nur die Wenigsten. Vielleicht einer von 300. …oder sogar noch weniger.
Wieso mache ich mir über gerade dieses Thema Gedanken? …weil ich selbst schwer behindert bin und diese Problematik mir nicht fremd ist. So habe ich es erlebt. Ich bin auch nicht besser als Menschen, über die ich hier geschrieben habe. Auch ich träume von einer schönen Freundin… Der unerfüllte Wunsch nach einen Lebenspartner hat mich unzählige Enttäuschungen und Tränen gekostet.
Doch in der letzten Zeit fange ich an, manche Sachen besser zu verstehen. Vielleicht soll es so sein? Vielleicht hat mich der Herr dazu bestimmt, alleine zu leben und ihm alleine zu dienen? Ich bin mir überzeugt, dass Gott in meinem Leben nichts ohne einen Sinn zugelassen hat. Vielleicht wird er mir eines Tages eine liebende Frau schenken? Sein Wille soll geschehen und ich möchte ihn dankbar annehmen, auch wenn es nicht immer leicht ist. Denn auch seitdem ich eine lebendige Beziehung mit Gott habe, leide ich immer wieder sehr unter meinen unerfüllten Wunsch nach einen Lebenspartner. Doch Gott steht mir bei und erquickt meine Seele. Er ist mein Tröster! Und er hat kein Ansehen der Person. Ich fange an zu sehen, dass er mich auf eine ganz andere Weise wunderbar beschenkt hat und dass er noch viel mit mit vor hat. Dafür dank ich ihm!
Ich erinnere mich an die Worte von Paulus:
Denn ich bin überzeugt, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.
(Die Bibel, Römer 8,18)
Jesus Christus fordert auf und verspricht:
Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!
(Die Bibel, Matthäus 11,28)
Gerade die Beladenen und Schwachen ruft Jesus zu sich. Sie sind ihm genau so wertvoll wie alle Anderen.
…und ich weiß, dass er sein Wort hält!
In meiner Schwachheit ist er stark! – Mein Jesus, mein Retter.
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Comments (3)
Hallo,
zu dem Thema “Partnerschaft zwischen Behinderten und Nichtbehinderten” haben mein Partner und ich uns im letzten Jahr bereit erklärt, einen Film über unsere Beziehung drehen zu lassen.
Ich – also der nichtbehinderte Teil der Partnerschaft – habe zugestimmt, weil ich denke, dass Liebe nichts mit Aussehen, Geld oder sonstigem Schnickschnack zu tun hat, sondern nur mit dem Menschen, den man liebt. Und ich wollte zeigen, dass eine Partnerschaft mit einem behinderten Menschen ganz “normal” ist, wenn man sie lebt.
“Schade, dass wir was besonderes sind” heißt der Film, wenn du magst, kannst du ihn dir hier anschauen:
http://www.abm-medien.de/index.php?view=239&video=1&menue=102&PHPSESSID=a13baf258805edad769a24f8d054ad11
Ich hoffe, der Link funktioniert,
liebe Grüße
Karin
Hallo Karin,
vielen Dank für das Video – der Link funktioniert perfekt
! Soeben habe ich es mir angeschaut. Es hat mich ermutigt und auch Einiges zum Denken gegeben. Es ist beeindruckend und erfreulich zu sehen, wie ihr beide gemeinsam durch das Leben geht. Ihr seid ein Vorbild für Viele.
Ich wünsche dir und deinen Mann alles Gute, viel Kraft und Gottes Segen.
Liebe Grüße zurück
Pawel
Danke sehr. Der Artikel ist recht interessant und wird gut umschrieben. Sehr informativer blog.